Wanderung: Drei-Seen-Tour

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Im oberen Ortsteil von Falkau steht eine drollig aussehende kleine Kirche.

Die wurde bestimmt Ende der Sechziger oder in den Siebzigern gebaut, als solche bizarren Kirchen modern waren.

Bis zum Schuppenhörnle-Gipfel muss ich noch ein ordentliches Stückchen bergauf steigen, sodass ich nach und nach immer verschwitzter bin.

Unterwegs frage ich mich, ob es wirklich so eine gute Idee war, Diesen Berg als Etappe meiner Wanderung einzubauen oder ob der ebenere Weg über Bärental nicht vielleicht besser gewesen wäre.

Und dann bin ich auf dem Gipfel angekommen, der ganz von hohen Bäumen umwachsen ist.

Erst guck ich etwas dumm aus der Wäsche, aber dann entdecke ich ein paar Meter weiter unten einen extra freigeschnittenen "Titiseeblick" mit Bänken und allem was dazugehört.

Jetzt bin ich ganz begeistert und freue mich über die herrliche Sicht auf den Titisee und den dazugehörigen Titisee-Ort.

Die Strapazen des zusätzlichen Aufstiegs sind schnell vergessen. Auch die Strecke, die noch vor mir liegt, und die noch mindestens ein Abenteuer birgt, nehme ich für diesen Blick gerne in Kauf.

Ein bequemer Waldweg bringt mich meinem Tagesziel näher.

Es ist zwar ein klein wenig verzwickt, den richtigen Weg zu finden, auf dem ich zum See kommen will, aber letztlich führen hier viele Wege über die eine oder andere Strecke zum Titisee, sodass ich mich vor einem eventuellen Verlaufen nicht besonders fürchte.

Ein gutes Stück Weg geht es genau auf dem Kamm der Bergkette entlang, teilweise über Wiesen, wo man genau sehen kann, wie es links und rechts bergab geht.

Ich liebe Kammwanderungen. Warum das so ist, weiss ich nicht genau, aber ich finde es einfach toll, auf einem Kamm von Bergspitze zu Bergspitze zu laufen.

Ein Teil des Weges führt auch durch den Wald, wo an vielen Stellen die Blätter des Alpendostes wachsen.

Sie erinnern stark an Huflattich oder Pestwurzblätter, sind aber deutlich grösser als Huflattichblätter und kleiner als die von der Pestwurz.

Vor einem Monat konnte man noch die Blütenstände sehen, da war dann klar, um welche Pflanzen es sich handelt.

Schliesslich komme ich zu einer Art Pass, der sich "Rotkreuz" nennt.

Hier treffen sich Wanderwege, Radwege und Autostrassen auf einem Sattel zwischen dem Tal von Titisee und dem Tal von Falkau und dem noch höher gelegenen Ort Saig.

Den Namen "Rotkreuz" hat der Pass von dem rot angemalten Kreuz, das an der Strassenkreuzung steht.

Da hier gerade die Strasse neu mit weissen Linien bemalt wird, komme ich nicht näher an das Kreuz heran.

Aber immerhin kann ich die Strasse kreuzen, was ja das Wichtigste für mich ist.

Die Schatten werden schon deutlich länger und ich muss mich beeilen, damit ich noch bei Tageslicht zum Titisee komme.

Und jetzt beginnt das eigentliche Abenteuer dieser Wanderung.

Ich weiss genau, wenn es schief geht, und ich Umwege gehen muss, dann muss ich im Dunkeln durch den Wald marschieren.

Der normale Wanderweg würde mich nämlich allmählich den Berg herunterführen und beim Ort Titisee erst auf den See stossen. Aber das will ich nicht, denn ich will am liebsten noch baden und ich will am Ufer entlang wandern, sonst ist es ja keine richtige Seenwanderung.

Auf der Karte habe ich einen dünnen Strich entdeckt, der steil den Hang hinunter führt und am hinteren Titisee-Ende auf den See stösst, genau dort, wo ich hin will.

Dieser Weg ist aber nicht ausgeschildert und ich habe keine Ahnung, in welchem Zustand er ist. Vielleicht lande ich irgendwo mitten im Gebüsch und muss die ganze Strecke wieder zurückgehen.

Der Anfang des Weges ist schon mal ganz ok. Ich kann ihn deutlich als Pfad erkennen, nachdem ich ein Stückchen am Waldrand entlang gegangen bin, um ihn zu finden.

Mit Spannung mache ich mich auf den Weg nach unten.

Erleichtert stelle ich Meter um Meter fest, dass der Weg ganz in Ordnung ist.

Er ist zwar relativ steil und schmal, aber ich habe diesbezüglich schon viel unwegsamere Wege erlebt.

An der Bundestrasse, die ich queren muss, ist extra ein Spalt in der Leitplanke gelassen und unter den Bahngleisen führt eine Unterführung hindurch; ein Luxus, denn ich auf so einem unausgeschilderten Weg nicht gerechnet habe.

Nach erfreulich kurzer Strecke gelange ich in die Nähe des Sees.

Der Weg landet bei einem Campingplatz, was mir aber vorher schon klar war, denn der Campingplatz ist auf meiner Karte deutlich eingezeichnet.

Also wandere ich von Terasse zu Terasse, bis ich auf Seehöhe angekommen bin.

Nach der abenteuerlichen und langen Tour bin ich enorm froh, als ich endlich am Ufer des Titisee stehe.

Ich habe es geschafft! (Zumindest fast)

Der See glänzt in der Abendsonne und ich finde ihn wunderschön.

Der Blick geht von hier aus über den ganzen See bis zum Ort Titisee, dessen Kirchturm von der Sonne tiefstehenden Sonne beleuchtet wird.
Dann nutze ich die Gunst der Stunde und den bereitstehenden Steg für das langersehnte Bad im Titisee.

Das Wasser ist herrlich angenehm und erfrischend.

Meine müden Füsse und Beine freuen sich über die Entspannung im Wasser.

Mir ist nach lautem Jubeln zumute, doch ich will die Gäste des Campingplatzes nicht erschrecken und daher geniesse ich schweigend meine kleinen Runden im See.

Als ich wieder angezogen bin, geht gerade die Sonne unter.

Welch ein Anblick!

Nun muss ich mich aber sputen, denn schliesslich muss ich noch am ganzen See entlang wandern und den Ort Titisee durchschreiten, bis ich zu, Bahnhof komme.

Es ist spät geworden und wenn möglich, will ich wenigstens den nächsten Zug erwischen.

Zügig schreite ich voran, und tatsächlich kriege ich den Zug noch.

 

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